Auf den Brocken!
Es geht nach Berlin – ausnahmsweise nicht per Bahn, sondern (aus Gründen) mit dem eigenen Auto. Was für eine prima Gelegenheit, eeeeeeeendlich den uralten Plan umzusetzen, einmal auf den Brocken zu wandern.
Nach einer laaaangen Autofahrt mit Zwischenrast, damit die übermüdete Fahrerin etwas schlafen kann, kamen wir erst sehr spät in Werningerode an — zu spät, um noch etwas zu Essen zu bekommen, wie es schien. Denn die ersten vier Wirtschaften lehnten uns freundlich ab, als wir fragten, ob wir noch etwas bekommen könnten.
Schon recht frustriert wurden wir dann doch fündig und konnten im von außen eher unscheinbaren, drinnen um so beeindruckenderen Brauhaus noch so richtig schlemmen.
Am nächsten Tag war es recht feucht-kalt und diesig, wie schade! Wir entschieden uns, den Weg hinauf mit der Bahn zu fahren. Nach einigem Frieren auf dem Bahnsteig kam der Zug dann endlich an – und so schmal die kleine Bahn ist, beeindruckend ist sie doch!
Ein wirklich schönes Erlebnis ist die Fahrt mit dem alten Dampfross sowieso, obwohl es dem einem Familienmitglied auf der Plattform sichtbar nicht gefiel und sie lieber im Wagen fuhr. Die anderen drei aber blieben im Freien – trotz des Dampfes, des Stampfens und der Pfeiferei.
Und wie als Anerkennung unseres Durchhaltevermögens auf der Plattform kam dann schließlich auch noch die Sonne heraus!
Warten darauf, dass die schlafende Fahrerin wieder aufwacht… Halb durchgefroren vom Warten, aber da kommt sie! Erst einmal hat die Bahn aber Pause, es muss Wasser aufgenommen werden. Mit Wasser gibt es dann auch ordentlich Dampf! Technik, die noch immer beeindruckt: Um die Lok tümmelten sich begeisterte Leute. Die Fahrt startete im Nebel, und auch aus dem nebel tauchten schließlich die ersten ausgeblichenen Baumleichen auf, bevor dann die Sonne durchbrach. Abenteuerlich ist die Bahnstrecke durch den Wald. Unglücklich auf der Plattform: Zu laut, zu stinkig, zu kalt Die anderen genießen die Fahrt auf der Plattform dagegen sehr. Einen großen Teil der Fahrt geht es durch gespenstisch toten Wald. Der Borkenkäfer hat ganze Arbeit geleistet, es sind nicht nur einzelne Bereiche kahl und tot. Fast der ganze Brockenwald ist betroffen und schwer geschädigt. Auch am Ende der Wanderung ist die Zugfahrt noch sichtbar.
Oben angekommen gab es erst einmal eine Aufwärm-Pause mit Snack, bevor es zu Fuß wieder vom Brocken herab ging. Der Weg ist gar nicht so einfach, dafür wirklich schön. Überall liegt das Totholz herum, wie ein riesiges Mikadospiel aus umgefallenen, kahlen Bäumen.
Es ist aber keineswegs so, dass die Landschaft tot ist, denn wohin man guckt, sprießt neues Leben. Vor allem die nachwachsenden Fichten sind schon recht groß. Eigentlich soll sich in den Arealen ohne menschliches Eingreifen nun ein artenreicher Mischwald ansiedeln. Doch natürlich haben die Fichten zunächst einmal den Vorteil, Samen anderer Bäume müssen ja erst eingetragen werden. Deswegen hilft der Mensch noch nach — laut der Planung zumindest bis 2022. Denn von allein würde sich hier nicht schon „im ersten Durchlauf“ ein Mischwald einstellen, ist wohl fraglich. Aber auch der Borkenkäfer arbeitet ja weiterhin mit, vor allem wenn der Klimawandel weiterhin die Sommer so „käferfreundlich“ und „waldschädlich“ ausgestaltet, wie in diesem Jahr.
Kurz bevor wir vom Fahrweg auf den netten Wanderweg abbogen, konnten wir dann die Brockenbahn noch einmal in voller Pracht (und Lautstärke) bewundern: